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#100 Zug - Jay Kreatief [entries|archive|friends|userinfo]
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#100 Zug [Apr. 29th, 2008|03:08 pm]
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Autor: Jay
Titel: Zugvogel
Prompt: #100 Zug
Genre: Kurzgeschichte
FSK: 0
Anmerkung/Copyright: (c) by Jay

Zugvogel

Es ist eine dieser typischen Szenen. Zwei Menschen stehen am Bahnhof. Sie haben Tränen in den Augen und umklammern sich. Sie wollen sich nicht los lassen. Doch sie müssen. Sie müssen sich trennen um überleben zu können.
Alles hat harmlos angefangen. Mit Stimmungsschwankungen und schlechter Laune. Einer wurde immer komplizierter und der andere musste immer mehr ertragen. Doch er hat gerne ertragen. Aber einer wollte sich nicht immer fallen lassen. Es war schwierig geworden auch nur einen Schritt zu gehen. Jede Entscheidung, und sei es auch nur die Frage, womit man den Freitagnachmittag verbringt, wurde mehr und mehr mit extremen Gedankengängen verknüpft. Um diese zu umgehen wurde viel zu oft „Ich weiß nicht“ und „Egal“ gesagt. Viel zu oft. Die zwei Menschen haben sich selber verloren bei dem Kampf gegen die komischen Gefühle. Beide wurden rein gezwängt in Geschichten, die sie beide nicht wollten und auch nicht verdient hatten. Aber jetzt sind die Geschichten da.

Von Tag zu Tag wurde es schlimmer. Kleinigkeiten brachten den Einen an den Rande des Wahnsinns und der Andere konnte nur stumm daneben sitzen und die Hand halten. Mehr ging einfach nicht. Es kamen schlechte Angewohnheiten dazu und Macken, die nie hätten ausbrechen sollen. Das Leben war nur noch kompliziert.

Irgendwann kam dann ein Fakt auf die beiden zugeschossen. Ein Fakt, eine Idee, der Funke einer Lösung. Ein Name für den Dämon, gegen den sie täglich kämpften. Einer weigerte sich ihn anzunehmen und anzusehen. Der Andere bat es doch zumindest in betracht zu ziehen und überprüfen zu lassen. Und irgendwann hat der Andere überzeugt.

Und deswegen stehen die beiden Menschen jetzt hier. Die beiden Menschen sind wir. Du und ich. Ich der eine, du der andere. In meiner Tasche eine Überweisung. Ich soll dableiben hat man mir gesagt. Aber ich musste noch einmal nach Hause. Ich musste noch einmal zu dir.
Doch jetzt muss ich zurück. Ich kann mich nicht wehren. Ich würde alles zerstören, würde es so weiterlaufen. Und das würde mich umbringen.
Und so stehen wir hier in dieser typischen Szene und fühlen uns einzigartig, während wir wie alle anderen sind.
Ich will dich nicht loslassen. Doch du trennst dich von meinem Körper und siehst mir in die Augen. Tränen laufen über deine Wangen.
Und du versprichst mir etwas: „Wenn du zurück kommst, werden wir endlich anfangen zu leben.“
LinkReply

Comments:
[User Picture]From: sasverse
2008-04-29 03:00 pm (UTC)
Schön <3 also eher traurig...ach, du weißt, was ich meine ;)

Besonders toll finde ich den folgenden Satz:
fühlen uns einzigartig, während wir wie alle anderen sind.
Einfach nur ♥
(Reply) (Thread)
[User Picture]From: balu
2008-04-29 03:24 pm (UTC)
Danke =)
(Reply) (Parent) (Thread)
[User Picture]From: energetic_red
2008-05-02 08:56 am (UTC)
Ich bin einfach mal Nachmacher und sage, dass ich diesen Satz ganz besonders schön finde:

Und so stehen wir hier in dieser typischen Szene und fühlen uns einzigartig, während wir wie alle anderen sind.

Außerdem muss ich sagen, dass ich die Umsetzung des Prompts sehr gut finde. Dabei fällt mir mal wieder auf, wie viel ich eigentlich noch vor mir habe. 3/100 geschafft, 97 to go. ;o)
(Reply) (Thread)
[User Picture]From: balu
2008-05-02 08:57 am (UTC)
Na dann mal ran an den Speck ;)
(Reply) (Parent) (Thread)